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"Toleranz heißt: die Fehler der anderen entschuldigen. Takt heißt: sie nicht bemerken." ( Schnitzler)
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Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Anatol: Dramen 1889 - 1891 (Broschiert) Das Drama "Anatol" besteht aus einer Reihe von locker gefügten Szenen aus dem Leben eines Playboys des Fin de siècle. Dieser stellt sich bewusst außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft und zitiert mit jeder Geste melancholisch die Welt einer untergehenden Aristokratie, die sich noch unbefangen dem Genuss hingibt.
Die Lust - das ist die überhaupt nicht so verborgene Botschaft in dieser leicht dahingeplauderten Dialoge - ist antibürgerlich und wohl nur gegen die Konvention zu erreichen. Aber deswegen ist Anatol noch lange kein Rebell. Es geht um die offizielle Moral, wo es ihm notwendig erscheint und bewegt sich dabei auf sicherem Boden, denn wie jede repressive Sexualmoral hat sich auch die bürgerliche eine Freizone geschaffen und gesellschaftlich institutionalisiert in welcher sich die zu kurz gekommenen Wünsche, der Männer in Besonderem, Befriedigung verschaffen.
Anatol, der durchaus zu Kompromissen mit der gesellschaftlichen Institution bereit ist, wenn es sich nicht ohne größere Unannehmlichkeiten vermeiden lässt, bewegt sich jedoch fern von jeder Verachtung für die Frauen und Mädchen, die bereit sind, zu gewähren, was sie nach geltender Moral nicht dürften. Anatol besitzt meines Erachtens Größe, deshalb muss er aus schlechtem Gewissen die genossene Lust nicht herabsetzen.
Ferner enthält das Buch noch folgende Dramen Schnitzlers : "Alkandi's Lied", "Anatols Größenwahn", "Die Blasierten", "Das Märchen". Auch diese Texte lohnt es zu lesen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 2. September 2009 |